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Die GWP veranstaltet und unterstützt Veranstaltungen, die wissenschaftlich basierte Erkenntnisse rund um das Pferd vermitteln.

Hierzu gehören zum Beispiel die Göttinger Pferdetage oder einzelne Vortragsveranstaltungen.

 

Informationen über aktuelle Veranstaltungen werden auf dieser Seite veröffentlicht


 

 

 

 

 

Göttinger Pferdetage 2015  am 10./11. März.2015

 

 

 

 

Von Dr. Ludwig Christmann; Fotos: Juliane Fellner                                                                                             

 

Die Göttinger Pferdetage haben einmal mehr ihre überragende Bedeutung als wichtige Plattform, auf der Wissenschaft und Praxis zusammenkommen, bestätigt. An zwei Tagen wurden die rund 200 Teilnehmer durchaus hart gefordert. 37 Vorträge zu insgesamt sieben Themenblöcken und eine Podiumsdiskussion erforderten einiges an Sitzfleisch und Konzentrationsvermögen. Trotzdem war die Veranstaltung stets spannend. Denn den Organisatoren um Prof. Uta König v.Borstel ist es nicht nur gelungen, das ganze Spektrum der Forschung um das Pferd in Deutschland aufzuzeigen, sondern es wurden viele Themen aufgegriffen, die unter den Nägeln brennen und es wurden Richtungen und Trends aufgezeigt, in die sich die Pferdebranche in Deutschland entwickeln kann.

 

 

Gleich in seiner Begrüßung griff Dr. Hanfried Haring, Präsident der europäischen Pferdesportvereinigung und früherer Geschäftsführer der deutschen FN, aktuelle Problemstellungen auf. Er ging auf den härter gewordenen internationalen Wettbewerb ein und mahnte dazu Kerneigenschaften der deutschen Pferde nicht zu vernachlässigen. „Rittigkeit und Bedienungsfreundlichkeit sind unser Pfund. Wenn wir dies vergessen, sind wir tot,“ formulierte er deutlich und drastisch. Auch er ging schon auf die früher auf Fragen des Tierschutzes ein und mahnte hier Offenheit und Kommunikationsbereitschaft an.

 
 

 

Viel Betrieb und gute Stimmung gab es in den Pausen.

 

 

Im ersten Themenblock ging es um Marketing und Betriebswirtschaft. Mit der Frage „Reiten im Verein am schönsten?“ machte Prof. Ronald Wadsack von der Ostfalia Hochschule Salzgitter den Auftakt. Er legte dar, dass der Reitsport in harter Konkurrenz zu anderen Sportarten steht, aber auch etwas Besonderes ist. „Durch die Beschäftigung mit einem anderen Lebewesen, dem Pferd, hat der Reitsport ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, so der Referent. Zu ca. 40 % erfolge das Reiten in Deutschland in einem Verein. Wadsack zeigte die Herausforderungen auf, (ehrenamtliches Engagement, Finanzierungsfragen), vor denen viele Vereine heute stehen. Er regte an, sich auch im Reitsport auf den demografischen Wandel einzustellen. „Bereits im Jahre 2030 wird die Zahl der Vereinsmitglieder, die 41 Jahre und älter sind, deutlich größer sein als heute.“ 

 

Die Sicht des Kunden hinsichtlich Pferdekauf, Pensionshaltung und Reitschule beschrieb Katharina Wiegand. Sie stellte die Ergebnisse einer Onlineumfrage vor, die die Universität Göttingen gemeinsam mit dem Horse Future Panel unter 2048 Personen durchgeführt hat. 93,5 % der Befragten üben den Reitsport aktiv aus, 15,9 % sind als Ausbilder tätig.. Die Dominanz des Internets beim Pferdekauf wurde sehr deutlich: 68,2 % gaben an, dass sie sich bei der Pferdesuche zunächst online orientieren. Mit weitem Abstand folgten der Gang zu einem bekannten oder empfohlenen Züchter (49,1 %) bzw. zu einem bekannten bzw. empfohlenen Ausbildungsstall (30,6%). Eine solideVertrauensbasis und gute Erfahrungen sind dabei die besten Visitenkarten für weitere Geschäfte. Aus der Befragung ging hervor, dass der Kunde häufig andere Informationen sucht, als viele Pferdeverkaufsanzeigen üblicherweise bieten. Die Vorgeschichte, der Charakter, das Verhalten des Pferdes im täglichen Umgang sowie die Aufzuchtbedingungen wurden als wichtiger erachtet als Kriterien wie Ausbildungsniveau, Rasse, Abstammung und bisherige Turniererfolge.

 

Heinke Heise, Göttingen, stellte die Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor, in der sie das unternehmerische Handeln in Pferdebetrieben untersucht hatte. Sie stellte fest, dass betriebswirtschaftliche Fragestellungen in vielen Pferdebetriebe nicht die höchste Priorität haben und sah insgesamt große Optimierungspotenziale. „Der Erfolg der Betriebe hängt in entscheidendem Maße vom Management des Betriebsleiters ab.“

 

„Erfolgsfaktoren der Pensionspferdehaltung in der Schweiz“ stellte Dr. Salome Wägeli vor. Sie ging auf die Ergebnisse einer Umfrage unter 1247 Schweizer Pensionspferdebesitzern ein. „Kundenzufriedenheit ist ein zentraler Punkt in der Pensionspferdehaltung“, so die Referentin. Am wichtigsten für die Schweizer waren die Betreuung und Beratung im Pensionsbetrieb. Die Kunden müssen sich also gut aufgehoben und wohl fühlen. Etwas neidisch dürften die deutschen Kollegen, die einen Pensionsstall betreiben hinsichtlich des Preisniveaus in die Schweiz schielen. Als mittlerer Preis wurden ca. 700 € pro Pferd und Monat genannt.

 

 

Podiumsdiskussion zum Thema "Pferd und Medien": Es wurde angeregt diskutiert (Foto: Juliane Fellner)

 

Spannend war der zweite Themenblock, in dem es um „Pferd und Medien“ ging. Der Pferdesport steht in zunehmender Konkurrenz zu anderen Sportarten, die Anzahl an Fernsehstunden, in denen Reitsportveranstaltungen übertragen werden, ist dabei stark zurückgegangen. Dr. Christina Münch (Horse Future Panel) konnte allerdings die durch Umfrageergebnisse belegte Feststellung machen, dass das Pferd auch in der nichtreitenden Bevökerung hohe Sympathiewerte hat. 74% der Teilnehmer an einer repräsentativen Umfrage gaben an, Pferde zu mögen. Wie lässt sich nun diese positive Wahrnehmung in eine bessere Medienwahrnehmung ummünzen? Clara Mehlhose, Nürtingen, und Dr. Stephanie Heinecke, München, verglichen den Reitsport mit anderen Sportarten. Sie stellten fest, dass es in anderen klare Sportarten Zielsetzungen gab, den Ablauf von Wettbewerben an die Bedürfnisse des Fernsehens anzupassen. Das Musterbeispiel ist Biathlon, das sich durch starke Fernsehpräsenz aus der Nische heraus zu einer der beliebtesten Wintersportarten entwickelt hat. Will man mehr Fernsehzeit erscheinen Änderungen in der Durchführung des Sports notwendig. Ob dies im traditionsreichen Reitsport breite Akzeptanz von seiten der Teilnehmer findet wurde allerdings in Frage gestellt. „ Was mich als Fernsehmann interessiert sind Menschen und ihre Emotionen“, so machte Hubert Schulze Hobeling deutlich, dass es um mehr geht als um perfekte Organisation und Ergebnisorientierung. Dass die Darstellung von Emotionen rund um das Pferd ankommt zeigen Dokureihen rund ums Pferd, die im Fernsehen z.T. erfolgreich laufen. Es muss also nicht immer Spitzensport sein.

Der Frage, ob Veranstaltungssponsoring im Pferdesport wirtschaftlich oder idealistisch ist, ging Volker Wulff, Uthlede, nach, einer der erfahrensten Eventmanager von Pferdesportveranstaltungen in Deutschland. Er kam zu einer klaren Antwort. Anhand des deutschen Spring und Dressurderbys konnte er sehr nachvollziehbar belegen, dass der Hauptsponsor einen deutlichen Nutzen von seinem Engagement hatte. „Der Werbeäquivalenzwert betrug das 6-7fache des eingesetzten Geldes,“ so Wulff. Nach dem Tiefpunkt olympische Spiele in Hongkong sieht er nun wieder eine positive Entwicklung. „Die Bereitschaft, in den Reitsport zu investieren, hat zugenommen.“

 

 

 

Dr. Christmann moderierte die Sitzung zur Pferdezucht - hier mit Referent Þorvaldur Arnason, dem Pionier der der BLUP-Zuchtwertschätzung der über die Zuchtwertschätzung beim Islandpferd berichtete.

 

 

Komplex und facettenreich war der Block „Pferdezucht“, in dem viele aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen der Pferdezucht aufgegriffen wurden. Den Anfang machte eine echte Forscherlegende. Prof. Thorvaldur Arnason war eigens für seinen Vortrag aus Schweden gekommen. Der gebürtige Isländer war der erste, der die Zuchtwertschätzmethode BLUP beim Pferd durchführte und die Ergebnisse veröffentlichte – 1982 beim Islandpferd. In seinem Vortrag stellte er vor, wie transparent die Isländerzüchter auf Worldfengur.com mit ihren Daten umgehen. Dass die Isländer auch die Methode der linearen Beschreibung nutzen ging aus dem Vortrag von Stephanie Hoppe, München hervor.

Dr. Kathrin Stock blieb beim Thema Zuchtwertschätzung. Zur Zeit gibt es eine intensive Diskussion, wie die Aussage der integrierten Zuchtwertschätzung in Deutschland weiter verbessert werden kann. Da kann es hilfreich sein, einen Blick über den Zaun zu werfen um zu sehen, wie andere Länder dieses Thema angehen. In ihrem Ländervergleich der Zuchtwertschätzmethoden konnte Kathrin Stock durchaus Unterschiede aufzeigen, vor allem was das Thema Sportleistung angeht.

Der nächste Entwicklungsschritt ist die genomische Selektion. Dr. Julia Metzger zeigte, dass an der TiHo Hannover schon intensiv an der Zukunft gearbeitet wird. Es gibt bereits konkrete Erkenntnisse, wie Exterieurmerkmale oder die Springveranlagung im Pferdegenom verankert sind.

Unter anderem eine Vorbereitung auf die genomische Selektion ist die geplante Gesundheitsdankenbank für Pferde. Will man Gesundheitsmerkmale stärker als bisher züchterisch bearbeiten müssen Daten gesammelt werden. Genau das ist das Ziel dieser Datenbank. Gerade mit Gesundheitsmerkmalen könnte ein guter Einstieg in die genomische Selektion erfolgen. Am Aufbau dieser Datenbank arbeitet das VIT in Verden zusammen mit der FN und den angeschlossenen Verbänden. Dr. Kathrin Stock erläuterte den Stand der Dinge.

Aus erster Hand erfuhren die Teilnehmer, wie es mit der Hengstleistungsprüfung weitergehen wird. Dr. Klaus Miesner, Leiter der Abteilung Zucht bei der FN, erläuterte, was verändert werden soll und warum. Noch näher an den Erfordernissen des Sports und mehr Spezialisierung in den Disziplinen Dressur und Springen – das sind zwei Effekte des neuen Modells, das auf der Jahrestagung der FN in Fulda verabschiedet werden soll.

Über erste Ergebnisse aus seiner Dissertationen über mögliche Selektionsmodelle für Vielseitigkeitigkeitspferde berichtete Henning Frevert (Universität Kassel). Er stellte u.a. fest, dass die Ergebnisse in nationalen und internationalen Vielseitigkeitsprüfungen als unterschiedliche Merkmale zu betrachten sind. Aus seiner Analyse der Hengstleistungsprüfung in der bisherigen Form ergibt sich, dass diese keine taugliches Selektionsinstrument für die Zucht von internationalen Vielseitigkeitspferden ist. Auch die Geländeprüfung innerhalb der HLP liefert diesbezüglich keine brauchbaren Informationen.

Das Longieren hat mittlerweile Eingang zu allen Körplätzen gefunden, bei vielen Verbänden geht es in die Körentscheidung ein. Da macht es Sinn, nach einigen Jahren der Datensammlung dieses neue Selektionsinstrument näher zu untersuchen. Dr. Katie Schöpke von der Universität Halle-Wittenberg verglich die Noten für Trab und Galopp an der Longe mit den korrespondierenden Noten beim Freilaufen und fand heraus, dass vor allem die Beurteilung des Galopps an der Longe aufschlussreicher ist als beim Freilaufen.

 

 

  

Dr. Christmann eröffnet das von der GWP organisierte Abendessen der Göttinger Pferdetage...

 

 

 ... und Prof. König v. Borstel gibt noch kurze Hinweise zum Ablauf des Essens (und Trinkens, wobei letztere Hinweise besonders an bestimmte Personen gerichtet waren)...

 

... und dann kann es losgehen!

 

Der zweite Tag begann mit dem Themenblock „Das Pferd im Dienste der Gesellschaft“. Den Auftakt machte Prof. Johann Schäffer von der TiHo Hannover mit einem hervorragenden Überblick über die Entwicklung der Pferdeheilkunde. Zu den Höhepunkten der Pferdetage zählte für mich der philosophische Vortrag von Prof. Peter Kunzmann, ebenfalls von der TiHo Hannover, zu „ethischen Aspekten der Nutzung des Pferdes“.Viele Fragen wurden gestellt:

- In welchem Ausmaß darf der Mensch das Pferd für seine Zwecke nutzen?

- Wie stark dürfen wirtschaftliche Fragen die Nutzung des Pferdes beeinflussen?

- Wann läuft der Mensch Gefahr, die Achtung vor dem Geschöpf Pferd zu verlieren?

Es wurden bewusst mehr Fragen gestellt als konkrete Antworten gegeben. Ein Ansatz ist die Art und Weise, wie mit dem Pferd umgegangen wird. Wichtig ist der „tugendhafte Umgang“. Was bedeutet Tugend? Hier zitierte Kunzmann die Tugendethik, nach der Tugend durch Wissen und Übung erworben wird. Also Wissen aneignen über die Bedürfnisse des Pferdes und den tiergerechten Umgang und das „Können“, die Umsetzung des Wissens in die Praxis.

Kunzmann sieht z. Zt. große Veränderungen im Verhältnis zwischen Tier (Pferd) und Mensch – aber das hat es schon immer gegeben. „Jede Generation würde diese Fragen anders beantworten.“ Sicher sei allerdings, dass jede Nutzung des Tieres künftig noch stärker hinterfragt wird. „Es gibt hier einen wesentlichen Umbruch im Denken des Menschen.“ Entwicklungen und Fragen, auf die auch die Pferdezucht –und Sportverbände Antworten haben müssen.

Mit dem Titel „Pferde bewegen Kinder“ zeigte Dr. Meike Riedel vom Institut für Sport und Sportwissenschaft an der TU Dortmund wie wichtig Pferde für die kindliche Entwicklung sein können. Sie können einer veränderten Lebensumwelt entgegenwirken, die gekennzeichnet ist von weniger Bewegungsanreizen, hoher Technisierung und vielfältigen multimedialen Angebot. Dass diese veränderte Umwelt zu gesundheitlichen Problemen und verminderten koordinativen Fähigkeiten von Kindern führen kann, wurde in verschiedenen Studien bereits festgestellt.

Abgerundet wurde der Block durch eine Pilotstudie von Csilla Pal über den Einsatz von Pferden beim Training von Führungskräften.

 

 

Prof. Schäffer stellt sich der großen Herausforderung, am nächsten Morgen das 1. Referat zu halten - er meistert diese schwere Aufgabe mit Bravour!

 

 

Ebenfalls sehr brisante Themen griff der Block Pferdehaltung/Pferdegesundheit auf. Die Anwendung der „Leitlinien für die Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ durch die Veterinärbehörden in Niedersachsen sorgte bereits für Unruhe unter den Pferdehaltern. Auf diese Thematik ging Dr. Andreas Franzky vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Lüneburg, ein. „Die gesellschaftlichen Anforderungen an eine tierschutzgerechte Tierhaltung sind in den letzten Jahren gestiegen. Davon ist auch die Pferdehaltung betroffen,“ so Franzky. Mit den erwähnten Leitlinien, die vom zuständigen Bundesministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung entwickelt worden sind, wurde das Ziel verfolgt, einheitliche Standards für die Pferdehaltung zu erarbeiten. Unter Leitung der bekannten Pferdeethologin Prof. Margit Zeitler- Feicht von der Universität München-Weihenstephan wurden die Leitlinien überarbeitet und 2009 neu herausgegeben. Franzky betonte, dass die Leitlinien keine verbindliche Rechtsnorm darstellen, doch können sie als Orientierung und Auslegungshilfe im Einzelfall angewendet werden. Die Gerichte akzeptierten die Leitlinien zunehmend als sachverständiges Gutachten und ziehen Sie als Entscheidungshilfe heran.

Eine thematische Ergänzung erfolgte durch Prof. Margit Zeitler- Feicht. Bezogen auf die erwähnten Leitlinien stellte sie ein Bewertungssystem vor, das derzeit an der technischen Universität München Weihenstephan für die Einzel- und Gruppenhaltung von Sport- und Freizeitpferden entwickelt wird. Ziel des Projektes ist es, Bewertungskriterien zu entwickeln für die Pferdehaltung. Dabei geht es vor allem darum, dass arttypisches Verhalten berücksichtigt wird und die Voraussetzungen für eine gesunde Haltung geschaffen werden. Wie kann Wohlergehen von Pferden beurteilt und gemessen werden? ist dabei eine zentrale Frage.

Mit dem Thema Hyperflexion, also Rollkur, beschäftigte sich Katrin Kienapfel von der Ruhr-Universität Bochum. Sie stellte eine Literaturauswertung von 55 wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema vor, von denen sich 42 mit Aspekten des Tierwohls befassten. Die signifikante Mehrheit der Studien (88 %) kam zu der Schlussfolgerung, dass eine enge Kopf-Hals-Haltung das Wohlbefinden des Pferdes beeinträchtigt. Ursachen für diese Beeinträchtigung liegen vor allem in der Einengung der oberen Atemwege, pathologische Veränderungen an Gewebestrukturen des Halses, dem eingeschränkten Sichtfeld sowie Stress und Schmerzen, die durch den Reiter verursacht werden können, um diese extreme Flexion zu erreichen. Erhoffte gymnastizierende Effekte dieser Kopfhaltung und dadurch eine Veränderung bzw. Verbesserung des Bewegungsablaufes konnten nicht nachgewiesen werden.

Faszinierende Videos zeigte Prof. Konstanze Krüger von der Hochschule Nürtingen. Wie schlau sind Pferde? Das war ihr Thema, an dem eine Arbeitsgruppe in Nürtingen arbeitet. Erste Ergebnisse dieser Studien weisen darauf hin, dass Pferde hinsichtlich ihrer mentalen Leistungsfähigkeit in der Vergangenheit unterschätzt wurden. So zeigten einige Videos Beispiele sogenannten innovativen Verhaltens. Die Referentin folgerte, dass Pferde besonders schlau sein können, wenn es darum geht den eigenen Komfort zu steigern, an Futter zu gelangen oder sich zu befreien. Dabei wurde sogar der Einsatz von „Werkzeugen“ wie Stöcken beobachtet.

Einen ganzen Nachmittag   ging es um das Thema Pferdefütterfütterung. Auch hier standen aktuelle Fragestellungen im Vordergrund, denn vor kurzem hat die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie die Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden überarbeitet. Die Professoren Jürgen Zentek, Berlin, Annette Zeyner, Halle, Ellen Kienzle, München und Frank Liebert, Göttingen, stellten dar, welche Auswirkungen die neuen Versorgungsempfehlungen auf die Theorie aber auch auf die praktische Pferdefütterung haben.

 

 

 

Prof. Kienzle übernimmt die nicht weniger schwere Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Zuhörer auch am späten Nachmittag des 2. Tages zu gewinnen - auch ihr gelingt dies in hervorragender Weise.

 

Dies war der erste Block „Pferdefütterung“. Der zweite griff Einzelfragen zu Pferdefütterung und Pferdegesundheit auf. Der Einsatz von Prebiotoka beim Pferd (Prof. Gerhard Breves, Hannover), Fragen zur Fütterung von Topinamburmehl (Maren Glatter, Halle und Dr. Anja Cehak, Hannover), Untersuchungen zur mikrobiologischen Qualität von Futtermitteln (Professor Petra Wolf, Rostock) sowie Vorträge zur atypischen Myopathie beim Pferd (Dr. Anja Cehak, Hannover und Dr. Mandy Bochnia, Halle) rundeten das breite Themenspektrum ab.

 

 

 

 

 

 

Cassandra Töpel (rechts), betreut von Uta König v. Borstel, gewinnt mit Ihrem Poster zu Einflussfaktoren auf die Notengebung beim Bundeschampionat den vom FN- Verlag (Sigmund Friedrich, mitte) gesponsorten Posterwettbewerb.

 

  

 

Zum Abschluss dankt Prof. König v. Borstel  dem phantastischen Organisationsteam vor Ort, ohne dessen unermüdliche Arbeit, die Pferdetage nicht möglich gewesen wären. (von links: Sarah Gauly, Birgit Sohnrey, Burchard Möllers, Katharina Wiegand (halb verdeckt), Sarah Kühl, Christina Ikinger, Uta König v. Borstel und (halb verdeckt) Matthias Maier.

 

 

 

Die Göttinger Pferdetage 2015 waren mit über 250 Teilnehmern ein voller Erfolg! In knapp 70 Referaten und Posterbeiträgen wurden die neuesten Erkenntnisse aus der Pferdeforschung vorgestellt und ausgiebig diskutiert.

 

Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V.